Mehr als zwei Jahrhunderte lang wurden hier in den Pedreres de s'Hostal, direkt vor den Toren Ciutadellas, Blöcke aus Marès – dem weichen, goldenen Sandstein, aus dem fast jede Mauer, jede Kirche und jedes Bauernhaus auf Menorca errichtet ist – aus dem Boden geschnitten. Die Steinbrucharbeiter arbeiteten sich nach unten statt nach oben vor und schnitten den Stein Block für Block heraus, bis sie weite, offene Kammern und Schluchten in die Erde gegraben hatten: eine Art umgekehrte Architektur. Zwei unterschiedliche Steinbrüche liegen nebeneinander. Der ältere wurde vollständig von Hand bearbeitet und hinterlässt weiche, organische, unregelmäßige Wände; der neuere wurde maschinell bearbeitet und weist senkrechte, glatte Klippen auf, die sich wie die Seiten einer dachlosen Kathedrale erheben.
Als der Steinbruchbetrieb eingestellt wurde, war das Gelände für eine Mülldeponie vorgesehen. 1994 begann eine Gruppe unter der Leitung der Bildhauerin und Landschaftskünstlerin Laetitia Sauleau stattdessen mit der Rettung, und 1997 wurde es zum Bien de Interés Cultural erklärt – einem geschützten spanischen Kulturerbe. Freiwillige und die daraus hervorgegangene Fundació Lithica verwandelten die verlassenen Gruben nach und nach in etwas Außergewöhnliches: Der alte, von Hand bearbeitete Steinbruch wurde als eine Reihe grüner Räume bepflanzt – botanische Gärten, ein mittelalterlicher Obstgarten sowie Labyrinthe aus Stein und Hecken, in die man hinab- statt hineingeht.
Das Ergebnis ist einer der stillsten und eigenartigsten Orte Menorcas. Sie tauchen aus dem hellen mediterranen Licht hinab in kühle Steinschluchten, folgen Pfaden zwischen Zitrusbäumen und aromatischen Kräutern, die dort wachsen, wo einst Stein abtransportiert wurde, verlieren sich kurz im Labyrinth und sitzen in einem Amphitheater, das direkt aus dem Fels gehauen ist und im Sommer für seine Akustik geschätzt wird. Es ist kein Strand, keine Festung und kein Museum — es ist eine besinnliche Landschaft, der man besser eine langsame Stunde bis zwei Stunden widmet, statt nur einen schnellen Fotostopp einzulegen. Sie wählen bei der Buchung Ihr Datum und ein 30-minütiges Eintrittsfenster; die kühlen Morgenstunden sind am ruhigsten und zuerst ausverkauft.